Feucht / Jaegersee Forst 9. Mai 2022

Der Nürnberger Landtagsabgeordnete und Generalsekretär der Bayern SPD Arif Tasdelen hatte die Einladung der SPD Feucht angenommen, sich an Ort und Stelle einen Eindruck über die Argumente gegen ein ICE-Werk der DB im Wald auf der ehemaligen Muna bzw. am Jägersee ein ICE-Werk zu verschaffen.

Das gewichtigste Argument der Gegner ist der Eingriff in den Bannwald. Sebastian Haas, Biologe und aktiv im Bund Naturschutz legte überzeugend dar, dass der Verlust von 30 bis 45 Hektar Wald die Funktion des Bannwaldes für den lokalen Klimaschutz, von dem besonders Nürnberg den Nutzen hat, und als Lebensraum für viele auf der Roten Liste“ stehende Arten entscheidend entwerten würde. Dazu gehören die Gelbbauchunke, die Kreuzotter und mehrere Vogelarten, weshalb der Wald als Vogelschutzgebiet besonders ausgewiesen ist. Von großer Bedeutung ist auch das Vorkommen mehrerer gefährdeter Fledermausarten, für die das Gebiet wegen der zahlreichen Totholzbäume und der Wasserflächen ein idealer Lebensraum ist. Für sie wäre die durchgängige Beleuchtung eines ICE-Werkes eine spürbare Bedrohung.

Die Begehung machte augenscheinlich, dass es sich bei dem von der Planung der DB betroffen Wald nicht – wie so oft behauptet – um einen „Steckerlaswald“ handelt. Vielmehr ist besonders auf der ehemaligen Muna ein über 70 Jahre in Ruhe gelassenes Stück vielfältiger Natur entstanden, dessen Verlust durch Neupflanzungen an anderer Stelle nach Ansicht der Kritiker nicht ausgeglichen werden kann.

Selbstverständlich kam bei der Begehung auch das von Herbert Fahrnbauer  sachkundig erläuterte Altlastenthema zur Sprache. Das ist einmal der berühmt-berüchtigte, besonders eingezäunte „Sarkophag“, der zwischen 2006 und 2009 auf einer Fläche von 8 Hektar entstanden ist, um die Gefahren zu beseitigen, die von etwa 31 Tonnen Giftgas ausgehen können. Der „vollständigen Einkapselung“ des Giftes gab man seinerzeit den Vorzug. Andere Lösungen wurden wegen der Kosten und etwaiger Risiken für die Arbeitskräfte verneint. Die Unsicherheit darüber, wie sich in der Bauphase und mit dem Zugverkehr verbundenen Erschütterungen auf die Sicherheit der „Entsorgung“ durch diesen Sarkophag auswirken würden, steht der Verwirklichung des geplanten ICE-Werkes nach Ansicht seiner Gegner  entgegen. Für das ICE-Werk auf der Muna wird der Bevölkerung gerne die Beseitigung der Munitionsreste verheißen, die  auf der ehemaligen Muna vermutet werden. Bemerkenswert ist, dass deren Entsorgung immer dann zur Sprache kommt, wenn das Gelände für irgendein Bauvorhaben herangezogen werden soll. Haben sich solche Gedanken zerschlagen, redet niemand mehr von der Notwendigkeit der Entsorgung.

Die Informationstour endete in  der Waldsiedlung Weißensee. Die dort wohnenden gut 70 Personen verschiedener Generationen, die ihre Genossenschaft vor 20 Jahren mit viel Energie und Einsatz gegründet und ihre Mehrfamilienhäuser in einen hervorragenden Zustand gebracht haben, wären von dem Vorhaben der DB unmittelbar und massiv betroffen. Sie, die  unter dem Lärm und der Lichtverschmutzung am meisten leiden müssten, waren zunächst bei den Planern überhaupt nicht auf dem Schirm. Ein Zeichen für deren Ignoranz.

Inge Jabs vom Vorstand der Genossenschaft und Barbara Dorfner von der Röthenbacher Bürgerinitiative „Reichswald bleibt e.V“. legten Arif Tasdelen noch einmal eindrucksvoll alle Argumente gegen ein ICE-Werk im Reichswald ans Herz. Tasdelen würdigte den Einsatz der Bürgerinnen und Bürger, die ihrerseits alle Argumente transparent kommunizieren. „Für eine endgültige Entscheidung ist ein offener und transparenter Prozess von beiden Seiten unerlässlich“ so Tasdelen und versprach das weitere Verfahren aufmerksam zu verfolgen.

Foto Hannes Schönfelder

Von links:

Friedrich Zeller, Arif Tasdelen, Herbert Fahrnbauer, Barbara Dorfner, Sebastian Haas, Ernst Klier, Inge Jabs.

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