Betreff: Leserbrief zu „Eisenbahner setzen sich für ICE-Werk ein“ vom 12.05.2022- mit der Bitte um Veröffentlichung – Schwabacher Tagblatt

Ihr Einsatz auch für Meinungen, die nicht der Mehrheit entsprechen, ist der EVG auf keinen Fall vorzuwerfen. Dafür brauchen wir die Gewerkschaften, auch wenn dies manchmal Blüten treibt wie beim geplanten ICE-Werk. Hier gehören Gewerkschaftsfunktionäre mittlerweile wirklich zu den Letzten, die sich noch für ein derartiges Monstrum in Nürnbergs grüner Lunge aussprechen.Wie sagt Herr Brinkmann? „Wenn wir eine Verkehrswende wollen, brauchen wir dieses Werk […] auch, wenn es regionale Einschnitte in den Wald gibt.“ Es sind keine ‚Einschnitte‘, Herr Brinkmann. Es ist die komplette Vernichtung von mindestens 45 Hektar streng geschütztem Bannwald, Waldes der höchsten Schutzstufe im Land also. Dessen Bedeutung für Klimaschutz, Artenvielfalt, Wasserspeicherung und Wasserreinhaltung steht außer Frage und ist auch einer Infrastrukturmaßnahme, die grundsätzlich nötig sein mag (und von keiner Bürgerinitiative im Kern angezweifelt wird), übergeordnet. Wenn wir also wirklichen Klima-, Arten- und Wasserschutz wollen, dann brauchen wir Wald und eine Verkehrswende, die nicht bereits an ihrem Beginn klimaschädlich ist. Dafür Wald abzuholzen wäre in der Tat „völliger Schwachsinn“. Ob man dazu Gelände eines Hafenbeckens verwendet, das so oder so verfüllt wird, oder dieses Werk kleiner und/oder außerhalb der Region Nürnberg baut, sei dahingestellt – ebenso, ob die Bahn in absehbarer tatsächlich 600 ICEs mehr zu warten hat. Sie ist nicht alleiniger Träger der Verkehrswende. Zuletzt: Die Frage der Lärmbelästigung wird von keiner der Initiativen ‚populistisch‘ aufgegriffen. Dass vergleichbare ICE-Werke in dichter besiedelten Gebieten freilich auf keinerlei Protest stoßen, sollte Herr Brinkmann dringend vielen Bewohnern von Köln-Nippes vermitteln. Die gingen bisher scheinbar fälschlicherweise davon aus, dass es der Lärm dieses Werks sei, der ihnen zu schaffen macht.

Georg Spiegel, Röthenbach b. St. Wolfgang

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