In diesem Artikel geht es darum, was und mit welcher Intention auf der MUNA untersucht wird. Folgende Teilnehmern waren bei diesem vor Ort Termin auf der Muna-Nord Fläche dabei: Bundestagsabgeordneter Ralph Edelhäuser (CSU), Landtagsabgeordneter Volker Bauer (CSU), Projektleiter Carsten Burmeister, Konzernbevollmächtigter der DB in Bayern, Klaus Josel und weitere Vertreter von DB, Bundesforst und Experten der Kampfmittelsondierung.

Trotz laufendem Raumordnungsverfahren lässt die DB mit Sonden auf 35 Testfeldern das Areal auf Kontamination und Kampfmittel untersuchen. Außerdem werden 5 Bunker untersucht und 15 weitere Grundwassermessstellen installiert.(zusätzlich zu den bereits 25 gemonitorten). Vom dem unter der Erde einbetonierten Sarkophag, in dem das Giftgas Lost liegt, ist überhaupt nicht die Rede. Die Einschätzung der Bundesregierung ist es sogar, dass eine Sanierung des gesamten Muna Areals nach derzeitigem Kenntnisstand möglich sei und das bayrische Umweltministerium sieht im Gebiet Muna-Nord durch grundwassergefährdende Kontamination keine intakte Natur, was MdL Bauer zu der Aussage veranlasst: „Was spricht also dagegen, kontaminierte Fläche zu sanieren... anstatt andernorts intakte Natur zu zerstören. MdB Edelhäußer sagt, dass die DB mit diesen Untersuchungen in Vorleistung geht und damit noch keine Vorentscheidung für oder gegen eines der drei Gebiete getroffen wird.

Der Artikel „Flächensanierung möglich“ im Schwabacher Tagblatt vom 22.11.22 ist wirklich bezeichnend.

Da wird mal so eben behauptet, die Muna wäre sanierbar. Dabei unterschlägt man aber geflissentlich, dass weder das Sicherungsbauwerk (vulgo: Sarkophag) entfernt würde, noch die komplette Muna saniert würde.

Die Bahn würde nämlich nur die Flächen sanieren, die sie auch wirklich braucht. Insofern ist diese Aussage reine Augenwischerei.

Noch viel erschütternder ist die Aussage von Herrn Edelhäuser, dass es sich bei der Muna „um keine intakte Natur“ handele.

Diverse Gutachten (u.a. vom Bund Naturschutz) haben inzwischen genau das Gegenteil bewiesen: Eben weil die Muna seit 70 Jahren nicht betreten werden darf, hat sich ein einzigartiger Lebensraum für Flora und Fauna entwickelt.

Es ist schon auffällig, dass vor Ende des Raumordnungsverfahrens, die Bahn jetzt auf eigene Kosten Untersuchungen an der Muna macht und (CSU-) Politiker über das Gelände führt.

Ich fürchte hier werden hinter den Kulissen Fakten geschaffen und eine Entscheidung zugunsten der Muna vorbereitet.

Anders ist es auch nicht zu erklären, dass derselbe Herr Edelhäuser den Standort Harrlach ablehnt, aber die Muna unterstützt.

Das Ganze hat vermutlich den Zweck, die Bevölkerung auf den Standort Muna „vorzubereiten“.  Und diesen Zweck haben auch die Aussagen im vorgenannte Artikel.

Boris Czerwenka

Es ist begrüßenswert, dass sich Herr Bauer und Herr Edelhäußer von der CSU selbst ein Bild vom MUNA-Gelände und seiner komplexen Ökologie machen. Lässt man bei einem solchen Ortstermin Verbände wie den BUND oder die gegen den Bau eines ICE-Werks aktiven Bürgerinitiativen außen vor, kann man dann auch zur Mutmaßung kommen, dieses Werk auf diesem Standort sei ein Segen für die ganze Region. Das Bild jedoch, welches im Artikel von der MUNA gezeichnet wird, ist an entscheidenden Stellen irreführend.

So wird betont, dass auf dem MUNA-Gelände „mit allem“ außer chemischen Kampfstoffen zu rechnen sei, „von Phosphor-Brandbomben bis Flak-20-Splitterbomben“. Gleichzeitig unterstreichen die Kampfmittelexperten, dass eine Sanierung möglich sei – und dies, ohne den sogenannten und mittlerweile berüchtigten „Sarkophag“ auf dem Gelände zu erwähnen, in dem u.a. große Mengen Senfgas („Lost“) mit tiefen Betonspundwänden so abgeschirmt werden, dass ein Eindringen ins Grundwasser verhindert wird. Vorerst. Dieses Schutzbauwerk hält, entsprechende Gutachten aus der Bauzeit weisen sehr explizit darauf hin, nach etwa 80 Jahren erneuert werden. Mit einem ICE-Werk in unmittelbarer Nachbarschaft? Welche Sanierung ist dann noch möglich?

Herr Bauer wird überdies nicht müde zu betonen, dass die MUNA durch diese Kontamination eben „keine intakte Natur“ sei. Ehe man Natur nun anderswo zerstöre, sei es doch nur von Vorteil, nach einer Flächensanierung  das bereits bestehende Gewerbegebiet mit dem ICE-Werk nach Süden zu erweitern. Soweit der Artikel. Nur:

Wo findet Herr Bauer denn „intakte Natur“ im Nürnberger Umland? In ganz Mitteleuropa dürfte er sich damit schwer tun – dieser Kontinent ist flächendeckend massiv vom Menschen überprägt. Was bleibt, sind Bannwaldflächen – auf der MUNA, in Harrlach und am Jägersee. Sie alle sind klimawirksamer als es jedes ICE-Werk auch langfristig sein kann, sie alle sind geschützt, sie alle bieten Lebensräume für eine Vielzahl (auch) bedrohter Arten. In den Raumordnungsunterlagen stechen die beiden Gebiete um die MUNA bezüglich der Artenvielfalt sogar ausdrücklich hervor. Herr Bauer spricht also über ein Ökosystem, das sich in Jahrzehnten zu uneingeschränkt schützenswerter Vielfalt entwickelt hat.

Sicher: auf kontaminiertem Boden. Eine Sanierung dieser Flächen ist sinnvoll, überfällig und wird auch von keiner Bürgerinitiative oder Umweltschutzorganisation infrage gestellt. Aber sie kann doch nicht darin bestehen, Kampfmittel zu entfernen, danach 45 Hektar davon zu versiegeln, ein ICE-Instandhaltungswerk darauf zu klotzen und dann noch – für die nötige infrastrukturelle Anbindung – weitere Waldflächen platt zu machen. Und dabei den Sarkophag als weitaus bedenklichsten Bereich auch noch auszuklammern.

Man könnte diese Sanierung auch schrittweise angehen, mit anschließender Wiederaufforstung der betroffenen Flächensegmente zum Erhalt dieses in der Tat besonderen Lebensraums. Und dabei auch den Sarkophag gleich mit angehen oder zumindest nicht so umbauen, dass er im Notfall weiter erreichbar bleibt. Die Bahn, für die „Sanierungskosten  […] erst einmal keine Entscheidungskriterium“ sind, würde dies freilich nicht in vollem Umfang bezahlen. Dies würde sie aber nach eigenen Angaben auch sonst nicht. Dafür bliebe ein Stück Wald erhalten, für das die Bewohner dieser trockene, dicht bebaute Region schon in sehr naher Zukunft dankbarer sein könnten als für ein ICE-Werk, dessen wirklich Bedeutung für die Verkehrswende noch einmal ein ganz anderes Thema ist.

Georg Spiegel, Röthenbach b. St. W.

Flächensanierung möglich, so heißt es in einem Bericht des ST am 22.11.2022 bezüglich der Muna. Aber von welchen Flächen sprechen wir hier? Eindeutig NICHT vom Giftgas-Sarkophag, der auf der Muna im Dornröschenschlaf liegt. Mich als Anwohner interessiert vor allem dieser. Wieviele Splitterbomben oder anderes dort im Boden schlummern, so lange unberührter, nachweislich wertvoller (Bund Naturschutz), seit 70 Jahren gewachsener Urwald darüber wacht, ist mir egal. Denn dieser Wald erfüllt, anders als dargestellt, trotz angeblich kontaminiertem Grundwassers eine wertvolle Funktion für uns Bürger in Wendelstein, Feucht und Nürnberg: Er kühlt unser Klima! Nürnberg kann sich weiterhin in klimatischen Baumpflanz-Kleinprojekten abzappeln, um ihrer zubetonierten Stadt den sicheren zukünftigen Hitzekollaps zu ersparen. Fakt ist, dass 45 ha geschützter Bannwald um die Stadt das viel besser kann, egal, was darunter schlummert. Hier dieses Kühlpad Nürnbergs als wertlose, kontaminierte Fläche darzustellen, ist eine Farce! Doch zurück zum Sarkophag: Denn weiter lese ich in Ihrem Artikel „Chemische Kampfstoffe seien auf Muna-Nord unwahrscheinlich“! Und was bitte lagert nachweislich im Sarkophag, an den die DB bis auf 40m heranbauen will? Senfgas, genannt Lost! Warum dieses Dummverkaufen der Bevölkerung, um für die Muna eine Akzeptanz zu schaffen? Kampfmittelreste im Boden, weit verteilt auf der Muna, werden nicht das Problem der umliegenden Bevölkerung sein, wenn bei Bauarbeiten zum ICE-Werk der Sarkophag mit Giftgas beschädigt wird oder eine spätere Sanierung (Haltbarkeit der Abdichtung noch ca. 50 Jahre) erschwert werden wird. Jedoch ein Austreten von alten Kampfgasen oder eine klimatische Erwärmung Mangels des Stadklima kühlenden Bannwaldes sehr wohl! Wo ist die definitive Zusage der DB oder der bayrischen Staatsregierung, dieses Giftgas-Problem zu lösen? Beide sprechen immer nur von den Flächen, die die DB bebauen wird, nicht vom eigentlichem Problem, dem Sarkophag. Das sollte bitte der Bevölkerung klar sein! Und diese klare Aussage erwarte ich auch in der Öffentlichkeit von einer unabhängigen Presse, die sich sonst zum Meinungsmacher von Parteien im kommenden Wahljahr macht.

Sabine Kronmeister

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