Die Form eines Camps wurde gewählt, um den Teilnehmern und Besuchern die Gelegenheit zum Verweilen, zum Austausch, zum Kennenlernen, als Informationsbörse und zum Ausbau der Netzwerke anzubieten.

Offenbar sehr attraktiv, denn gerade junge Familien mit Kindern waren zuhauf zu sehen und nahmen gerne und mit großem Eifer an den angebotenen Aktivitäten teil: Bannermalen, Baumscheiben bearbeiten, Holzschnitzen, Waldquiz und ein kleiner Flohmarkt.

Ein besonderes Highlight für die Größeren war, sich unter fachgerechter Anleitung und mit Kletterausrüstung am Baumklettern zu versuchen.

Beeindruckt zeigten sich dann auch die Teilnehmer an der geführten Fahrradtour durch den geplanten Standort Jägersee, insbesondere der riesigen Flächenfraß, der damit verbunden wäre, sorgte für nachdenkliche Gesichter. Ebenso informativ wie überraschend ist, wie vielfältig der Wald ist und welche (essbaren) Pflanzen in ihm wachsen. Das wurde in einer Kräuterwanderung gezeigt.

Und wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, bei einer abendlichen Fledermaus-Führung etwas von diesen faszinierenden Tieren und ihrer Bedeutung für den Wald zu erfahren?

Neben verschieden Info-Ständen zum Thema „Wald“ und zum geplanten ICE-Werk gab es verschiedene kurze Vorträge.

Andreas Teichert von der Bürgerinitiative „Reichswald bleibt“ zeigte sich verwundert über das Kommunikationsverhalten der Stadt Nürnberg. Zwar solle oder könne das Werk unbedingt her, aber halt auf keinen Fall in das Stadtgebiet und daher müsse es nach Feucht. Welche konkreten Standortvorteile damit verbunden wären, bleibt aber unklar und Gesprächsbedarf gebe es keinen, weil das Projekt ja die Stadt Nürnberg nicht direkt beträfe. (Zur Erinnerung: Es waren Verantwortliche aus Nürnberg und niemand aus den Landkreisen Nürnberger Land oder Roth bzw. den Gemeinden Feucht und Wendelstein, die in spontaner Begeisterung das Werk haben wollten!)

Unverständlicherweise werden die ökologischen Folgen und die damit verbundene deutlich spürbare Verschlechterung der Lebensbedingungen eben nicht nur für die Bewohner der angrenzenden Gemeinden, sondern auch für Nürnberg …. für die Bewohner der Stadt, ausgeblendet: Verschlechterung der Luftqualität, steigende Temperaturen (auch nachts!), steigende Trockenheit wegen der gestörten Wasserspeicherfunktion des Waldes. Es drängt sich der Eindruck auf, die Stadtoberen wären der Meinung, sie hätten sich des Problems elegant entledigt und damit verbundene Risiken würden sich quasi in Luft auflösen. Welch eine Fehleinschätzung!

Verena Masopust von der Bürgerinitative Harrlach zeigte auf, welch dramatische Folgen mit einem ICE-Werk in Harrlach verbunden wären. Nicht nur dass ein kleines Dorf dadurch praktisch „plattgemacht“ würde. Die Trinkwasserversorgung mehrerer Gemeinden im Umkreis wäre stark gefährdet, besonders die der Stadt Fürth, die einen großen Anteil von hier bezieht. Bei Rednitz- oder Pegnitzhochwasser sogar fast vollständig! Das Wasser aus dem Wald bei Harrlach ist außerdem besonders natriumarm und kommt fast in Mineralwasserqualität aus dem Boden! Das wäre bei Verschmutzung durch das ICE-Werk mit metallischem Schienenabrieb, Schmiermitteln, Glyphosat und anderen Schadtstoffen nicht mehr der Fall. Darüber hinaus wäre der Brauchwasserbedarf des ICE-Werks bei realistischern Berechnung sehr viel höher, als von der Bahn angegeben. Es ist unsicher, ob dieser Bedarf zusätzlich überhaupt zur Verfügung gestellt werden kann. Auch hier würde ein ICE-Werk deutlich mehr Schaden anrichten, als Nutzen stiften.

Ein ganz wesentliches Ziel des Camps wurde erreicht: Teilnehmer des BUND Naturschutz Nürnberg, der (ehemaligen) Bürgerinitativen aus Fischbach/Altenfurt, Pfeifferhütte/Schwarzenbruck sowie Burgthann waren anwesend und werden sich weiter aktiv daran beteiligen, den Reichswald zu schützen und zu bewahren.

Die Natur zu bewahren, dafür setzen sich auch Greenpeace und Extinction Rebellion ein, die ebenfalls unter den Teilnehmern des Camps waren. Es sind also nicht mehr nur vereinzelte Bürgerinitiativen, die losgelöst voneinander für ihre Sache eintreten. Das Netzwerk wird größer und stärker. 

Das wurde dann auch abends am Lagerfeuer, Gitarrenmusik, Essen und Trinken weiter fortgesetzt. Ein gelungener erster Tag!

Die Erkenntnis des zweiten Tages ist mit dem Satz „Die Zeche zahlen unsere Kinder“ zusammenzufassen.

Doch der Reihe nach. Für die Übernachtungsgäste gab es Frühstück. Bereits vor 10 Uhr am Morgen gesellten sich schon wieder Gäste hinzu und tauschten interessante Infos aus.

Die Bürgermeister der angrenzenden Marktgemeinden waren ebenfalls vor Ort. Jörg Kotzur (Feucht) informierte sich über den Munawald. Ein Film der im Waldcamp gezeigt wurde, ließ durch Bilder und Videos vom Boden und aus der Luft erkennen, dass der Munawald ökologisch extrem wichtig ist. Dieser Mischwald ist ein intaktes Ökosystem und trotz des „Giftgasbunkers“ wertvoll für Mensch und Tier. Werner Langhans (Wendelstein) informierte über beide Gespräche am „runden Tisch“ mit der Bahn.

Auf dem Programm standen ebenfalls wieder ein Waldspaziergang mit Dipl.-Biologen Sebastian Haas und eine Kräuterwanderung mit Brigitte Reischle.

Albrecht Röttgen informierte über die Möglichkeit das ICE-Werk im Hafen zu bauen. Der gezeigte Standortplan für das ICE-Werk im Hafen war Basis für seine Gesprächen mit den  Bahnverantwortlichen. Die Aussage der Bahn war damals eindeutig. Es ist technisch machbar. Es müssten auch nur 5 Unternehmen umgesiedelt werden. Diese 5 Firmen sind auch nicht an den Standort im Hafen gebunden und könnten ihre Tätigkeit auch von einem anderen Ort aus unternehmen. Desweiteren wäre die Suche nach Standorten für Unternehmen die einen kleineren Platzbedarf haben, wesentlich einfacher, als die Suche für ein riesiges Werk das wohl mehr als 45 Hektar beanspruchen würde. Die Ansiedlung des ICE-Werks im Hafen wäre auch für die im Umfeld des Hafens lebende Bevölkerung vorteilhaft. Es ist mit geringerem LKW-Aufkommen zu rechnen. Dass aus dem Werk keine Geräuschemissionen nach außen dringen dürften ist mittlerweile auch tatsächlich so sein. Dies wiederholt die Bahn ja immer wieder und hat hierfür auch die nötige Erfahrung. Leider wurde dieser Vorschlag, der für die Menschen, Tiere und Umwelt ideal wäre, vom Nürnberger Stadtrat und der Hafenverwaltung abgelehnt. Man hat sich mit diesem wohl gar nicht ernsthaft auseinandergesetzt.

Ulrike Müller-Telschow, Deligierte im Vorstand des Bund Naturschutz Bayern Nürnberg Stadt lud zur Veranstaltung „Alternatives Erntedankfest“ ein. Es findet am 2. Oktober in Wetzendorf (Nürnberg Nord) statt. Hier wird ein Bürgerbegehren gestartet, mit dem Ziel den Flächenfraß zu stoppen. Wichtig und sinnvoll ist es dass sich viele kleinere Bürgerinitiativen gegenseitig unterstützen. Gemeinsam für die Umwelt zu kämpfen, sorgt für mehr Gehör bei der Politik und bei den Menschen.

Die Message während der Andacht vom ehemaligen Dekan von Würzburg, Günter Breitenbach, war eindeutig. Gott hat diesen Wald geschaffen um den Menschen, Ruhe, Erholung und Lebensqualität zu schenken. Der Wald ist nicht für das ICE-Werk da.

Der Vortrag von Prof.-Dr. Erwin Hussendörfer ließ die Zuhörer still werden. Man lauschte den Informationen des Waldexperten, der an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf doziert.

Die wesentlichen Kernaussagen waren, dass dieser Wald gerade für Nürnberg eine extrem wichtige Aufgabe erfüllt. Er kühlt die Stadt an heißen Tagen. Und von diesen Hochtemperatursommern kommen in den nächsten 10 bis 20 Jahren noch erheblich mehr auf uns zu. Waldverlust würde die Stadt Nürnberg erwärmen und es verändert sich die Thermik (Kühle Luft fliesst nicht mehr in das Stadtinnere). Unsere Kinder und Kindeskinder können mit Temperaturen von 40° C und mehr rechnen. Dies sind wir in unseren Breitengraden nicht gewöhnt. Städte könnten dadurch u. U. nicht mehr bewohnbar sein. Soziale Spannungen sind vorprogrammiert. Der Wald muss daher erhalten werden. Und zwar in seiner Gänze. Ein Waldökosystem leidet auch bei kleinen Eingriffen. Man muss daher für das ICE-Werk einen anderen Standort finden. Eine Fläche die bereits versiegelt ist und für die kein Baum gefällt werden müsse.

Prof.-Dr. Hussendörfer übte auch Kritik an den Ausgleichsflächen. Man müsste die 40fache Fläche aufforsten um den gleichen Effekt wie bei diesem intakten Wald zu erreichen. Diese Flächen sind aber für einen Ausgleich nicht vorhanden. Ausgleichsflächen werden somit wie ein „Ablasshandel“ betrieben.

Eine tolle Veranstaltung ging gegen 17 Uhr zu Ende. Die Bäume der Baumkletterer wurden übrigens nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Andreas Teichert und Friedrich Zeller für die BI Röthenbach und Reichswald bleibt e.V.

Hier einige Impressionen aus der Aktion (Danke an alle Fotografen für die Benutzung ihre Bilder)

Professor Erwin Hussendörfer und Barbara Dorfner
Inge Jabs, Martin Mändl, Barbara Dorfner und Boris Czerwenka

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