Reichswaldblatt, Heft 03/2023


Es wird „höchste Eisenbahn“, dass mit dem Märchen der Deutschen Bahn, im
geplanten ICE-Instandhaltungswerk auf dem Muna-Gelände würden
hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen, aufgeräumt wird. Die Arbeiten, die in
diesem Werk ausgeführt werden sollen, werden sich im Wesentlichen auf
Reinigungsarbeiten an den ICE-Fernverkehrszügen und einfachere Wartungsoder Servicearbeiten beschränken. Neben den hauptsächlich durchgeführten
Innen- und Außenreinigungsarbeiten werden die Wassertanks der Züge
nachgefüllt, das Bordbistro mit Lebensmitteln ergänzt und aktuell notwendige
kleinere Servicearbeiten wie beispielsweise Abfallentsorgung durchgeführt. Für
diese Arbeiten sind dabei insbesondere die Nachtstunden (Nachtstilllagen)
vorgesehen. Für umfangreichere Reparaturarbeiten fehlt damit einfach die Zeit,
da die ICE-Fernverkehrszüge entsprechend der Fahrpläne wieder baldmöglichst
auf die Schiene zurückmüssen. Darüber hinaus ist auch nicht geplant, einzelne
Waggons abzukoppeln, um daran längere Reparaturarbeiten durchzuführen.
Dies bestätigt auch das Festhalten der Deutschen Bahn an der geplanten Länge
des erforderlichen Betriebsgeländes. Damit wird dieses ICEInstandhaltungswerk in einem „reinen Durchlaufbetrieb“ gefahren.
Welcher hochqualifizierte Ingenieur, Mechatroniker oder Elektroniker wird sich
bei dieser Aufgabenbeschreibung im ICE-Instandhaltungswerk die „Nächte um
die Ohren schlagen“? Aufgrund des aktuellen Fachkräftemangels bietet der
Arbeitsmarkt doch sicher interessantere und auch besser bezahlte Arbeitsplätze
an.
Ein Blick auf die einzelnen Werks-Standorte der Deutschen Bahn in Bayern und
Baden-Württemberg zeigt, dass diese Werke sehr ungleichmäßig verteilt sind.
So gibt es im Rahmen des Werkeverbundes in Bayern die Werksstandorte
München und Nürnberg sowie eine Integrationswerkstatt in Ingolstadt.
Dagegen ist in Baden-Württemberg derzeit kein einziger Werksstandort zu
finden. Deshalb stellt sich abschließend die Frage, warum der im süddeutschen
Raum gesuchte Standort nicht in Ingolstadt (innerhalb des geforderten 100 km
Bereichs) oder in Baden-Württemberg liegen könnte? Dies hätte doch den
Vorteil, dass die von der Deutschen Bahn, sowie ihren politischen und
insbesondere gewerkschaftlichen Unterstützern so hochbewerteten
Arbeitsplätze auch dort entstehen könnten. Andererseits wäre es sicherlich
wesentlich einfacher das ICE-Instandhaltungswerk auf einem Industriegelände
zu errichten. Der durch europäisches Recht streng geschützte Nürnberger
Reichswald könnte damit auch weiterhin ungestört all seine wichtigen
Funktionen für die Bürger und seine Umwelt erfüllen.


Herbert Fahrnbauer (für das Bündnis „Kein ICE-Werk im Reichswald“ und BI-Reichswald bleibt

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