„Nürnberger Burkert: „Die Situation um das ICE-Werk ist ein einziges Drama“

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Die Aussage, dass die Situation dramatisch ist, stimmt. Allerdings anders als von Herrn Burkert dargestellt. Dramatisch ist, dass eine riesige Fläche gesetzlich geschützten Bannwalds vernichtet werden soll. Die Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschen in Nürnberg wären dramatisch weil dieser Wald die Luft der Stadt kühlt und säubert. Er speichert Wasser, das wir in einer der niederschlagsärmsten Regionen Bayerns dringend brauchen, ist Naherholungsgebiet für viele Menschen und Lärmschutzwall gegen die Autobahnen. Mit dem Bau des ICE-Werks wären dramatische und sehr konkrete Risiken für die Bevölkerung verbunden, denn das Gelände ist flächendeckend mit Munitionsresten, Granaten und Sprengstoffen verseucht, worum sich die Bahn bei ihren Planungen aber zu wenig Gedanken macht. Die Bevölkerung ist wohl nur als zahlender Kunde interessant. Noch dramatischer der sog. Giftgas-Sarkophag: Ein riesiger Erdhügel inmitten der geplanten Standorte, in dem tonnenweise tödliches Kampfgas aus dem Weltkrieg verbuddelt ist. Niemand weiß, in welchem Zustand die Dosen mit dem Senfgas sind, und was damit passieren würde, wenn direkt daneben in jahrelangen Bautätigkeiten tiefe Fundamente ins Erdreich getrieben würden, Boden für Gleise verdichtet würde und welche Erschütterungen von hin und her fahrenden ICE-Zügen ausgehen würden. Ein Giftgasalarm mit Evakuierungen im Süden Nürnbergs (Klinikum!) und den angrenzenden Gemeinden, das wäre mehr als dramatisch. Das wäre eine Katastrophe, auf die niemand vorbereitet ist und die auch kaum beherrschbar wäre.

Weder der BN noch Bürgerinitiativen sind gegen ein ICE-Werk als solches. Wir differenzieren allerdings genauer: Die DB ist Teil der Mobilitätswende und nicht DIE Mobilitätswende. Emmissionsärmere Autos, LKW, Busse, der Öffentliche Personennahverkehr tragen viel mehr dazu bei, als ein paar Fernverkehrszüge, die zukünftig Nürnberg mehr anfahren sollen.

Arbeitsplätze sind wichtig. Diese sind aber mindestens ebenso wertvoll, wenn sie andernorts in Deutschland entstehen. Auch dort müssen Familien ihr Auskommen finden. Das ist übrigens auch ein wichtiger Aspekt der Landespolitik. Das sollte ein erfahrener Politiker wissen.

Dann wäre Herr Burkert auch gut beraten, nicht nur Andere als Schuldige benennen. Als langjähriger Bahnbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr des Bundestags und Aufsichtsratsmitglied der DB hätte er die Möglichkeit und wohl auch die Pflicht gehabt, die von ihm heute kritisierten Entwicklungen und Managementfehler der DB zu verhindern. 

Die Formulierung, das Muna-Gelände „zu einem Biotop verkommen“ (!) zu lassen, zeugt von Dinosaurier-Denken in Umwelt- und Klimafragen. Ob das hilft, die DB zu einem besseren Unternehmen zu machen?

Andreas Teichert

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