Der erste Ansatzpunkt für Kritik ist bereits die Überschrift. Der Begriff Hysterie ist vollkommen fehl am Platze. Vielmehr ist die Kommunikation der Bürgerinitiativen und anderer Beteilgter getragen von großem gegenseitigem Respekt, persönlicher Wertschätzung und fachlicher Kompetenz. Dies wird von allen Beteiligten bestätigt und ist (uns) gleichermaßen wichtig und selbstverständlich. Sie stellen die These auf, dass die Bahn den Standort „längst plausibel begründet“ habe. Das ist nicht richtig. Die DB hat trotz vielfacher Nachfragen bei verschiedenen Dialogveranstaltungen nie dargelegt, wie die Liste der möglichen Standorte entstanden ist und wie diese wieder auf drei reduziert wurde. Bekannt ist der Kriterienkatalog, aber wie diese tatsächlich angewendet wurden, sowohl für jeden Standort auf seine Eignung für sich und im Vergleich zu den anderen bleibt vollkommen im Dunkeln. In diesem Zusammenhang darf ich auf eine Sondersitzung des Kreistags Roth vom 19.01.2022 genau zu diesem Thema verweisen. Sie schreiben, dass die Bahn „ihre Pläne transparent darstellt, ohne die zweifellos drastischen Eingriffe in die Natur zu verharmlosen.“ Auch das ist nicht richtig. Es geht bei allen drei Flächen um Bannwald. Demnach handelt es sich hierbei um „Wald, der auf Grund seiner Lage und seiner flächenmäßigen Ausdehnung vor allem in Verdichtungsräumen und waldarmen Bereichen unersetzlich ist und deshalb in seiner Flächensubstanz erhalten werden muss und welchem eine außergewöhnliche Bedeutung für das Klima, den Wasserhaushalt oder für die Luftreinigung zukommt, “ Sagt wer? Das Bayerische Waldgesetz. Die Unterstreichung stammt von mir.Insofern hätte die Bahn zumindest schlüssig darlegen müssen, warum das Gesetz hier ausnahmsweise (!) nicht anzuwenden wäre. Das ist nicht der Fall.Ihrer Aufmerksamkeit ist offenbar entgangen, dass einer der potentiellen Standorte hochgradig kontaminiert ist mit Sprengstoffen und chemischen Kampstoffen. Was die Bahn hierzu sagt (oder gerade nicht) ist mit „Verharmlosung“ nur sehr, sehr unzureichend beschrieben.  Sie unterstellen die Rhetorik der Gegner überschreite „spielend die Grenze zur Hysterie“. Das ist unerhört und weisen wir mit allem gebotenen Nachdruck zurück. Wie kommen Sie dazu, solche Behauptungen in den Raum zu stellen? Nennen Sie Beispiele! Ach ja, und dann natürlich das offenbar unvermeidliche „Totschlagsargument Arbeitsplätze“. Oft gehört, leicht zu widerlegen. Ich darf aus meinem Leserbrief zum Thema zitieren:“…demnach sind ca. die Hälfte der im Raum stehenden 450 Arbeitsplätze im Werk reine Anlerntätigkeiten, wie Putzarbeiten, Catering auffüllen, Toiletten entlehren, etc. Um nicht mißverstanden zu werden: Das sind wichtige und wertvolle Arbeitsplätze und es gibt genügend Menschen, die genau einen solchen suchen! Die andere Hälfte sind hochqualifizierte Experten, die mit Spezialwerkzeugen die Wartungsarbeiten durchführen. Software-Updates und eine Vielzahl mechanischer Arbeiten. Diese Experten gibt es auf dem freien Arbeitsmarkt kaum, sondern werden andernorts von der DB selbst hierfür ausgebildet und dann in das geplante ICE-Werk hierher versetzt. Das war die klare Aussage der Bahn. Auf unsere Nachfrage, dass dann diese Arbeitsplätze zwar hier entstehen, aber gar nicht hier lokal besetzt würden, hieß es, das sei richtig, aber dafür würden ja in den Ausbildungswerken woanders wieder Menschen eingestellt und ausgebildet. Auch das bitte nicht falsch verstehen: Neue Arbeitsplätze sind wichtig, auch dann, wenn sie nicht in Nürnberg entstehen. Auch in anderen Teilen Deutschlands leben Familien, benötigen Einkommen und zahlen Steuern.Und warum kann die Ausbildung dieser Experten nicht in Nürnberg stattfinden? Darauf gab es von der DB keine Antwort. Vermutlich zu teuer.Im übrigen sei noch einmal klargestellt, dass das ICE-Werk nicht „verhindert“ werden soll, sondern an einem für Mensch und Natur besser vereinbaren Standort entstehen soll. Selbstverständlich gerne im Großraum Nürnberg aber eben nicht unter Vernichtung von geschütztem Bannwald von der Fläche des Rollfelds des nürnberger Flughafens!“Auf Ihre Privat-Fehde mit dem BN gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Auch hier reihen Sie Behauptungen aneinander, ohne sie zu begründen oder mit Beispielen zu belegen. Ihre Schlussfolgerung, dass „die Bahn ein besseres Angebot und mehr Züge“ bräuche und diese gewartet werden müssen ist – Entschuldigung, bitte – banal und wird von niemandem ernsthaft bestritten. Dass dies in Nürnberg geschehen müsse, ist als private Meinung selbstverständlich zu akzeptieren. In der Absolutheit, wie Sie diese These formulieren, erfordert sie eine Begründung. Die Sie allerdings schuldig bleiben. Es gibt im übrigen hierzu von unabhängigen Experten ganz andere Einschätzungen und Lösungsvorschläge. Zusammenfassung muss ich sagen, dass sich Ihr Artikel auf dem Niveau eines Kommentars eines anonymen Schlaumeiers in irgendeinem Internet-Forum bewegt. Der SZ nicht angemessen. Es gab Zeiten, da habe ich mich gerne hier informiert und das Zitat „In der SZ habe ich gelesen, …“ verlieh einem vorgetragenen Argument Gewicht. Davon kann im Hinblick auf Ihren Artikel keine Rede sein.   

Andreas Teichert

Categories:

Tags:

Comments are closed