von Andreas Teichert 08.09.2022

In der Projektanbahnung war spontane und große Begeisterung bei DB und
Entscheidern der Stadt Nürnberg. Das ICE-Werk müsse in die
Eisenbahnerstadt. Da war man sich schnell einig. Auch wenn Außenstehende
fragen könnten, was Nürnberg denn zu einer Eisenbahnerstadt mache. Die
Fahrt der Adler 1835 vielleicht?
Dann Ernüchterung, wohl auch wegen der Bundestagswahl (und Widerstand
der Bevölkerung?) und der tollpatschige Rückzieher der Bahn. In der Folge fiel
der Standort Fischbach/Altenfurt heraus. In den nächsten Monaten:
Sendepause. Dann wurde der Vorschlag am Hafen bemerkenswert schnell und
mit wenig überzeugenden Argumenten, aber dafür mit brachialer Vehemenz
aus dem Rennen gekickt. Weder gab es eine angemessene Diskussion zur
weiteren Vorgehensweise in der Öffentlichkeit noch in den politischen Gremien.
Es wird endlich Zeit, dass die Verantwortlichen der Stadt Nürnberg konstruktiv
ihre Verantwortung wahrnehmen!
Oder wird dort tatsächlich geglaubt, man habe das Problem elegant nach
Feucht entsorgt? Klimawandel ist Realität und nicht nur „irgendwas mit
Wetter“. Der kühlende Effekt für uns alle hier würde stark geschwächt oder
ginge verloren, weil der Wald hierzu eine kritische Größe benötigt. Das Gleiche
gilt für die Luftreinigung und Reduzierung von Feinstaub. Auch in Nürnberg
übrigens! Der natürliche Wasserspeicher würde flächendeckend vernichtet. Das
Gegenteil also von dem, was die Nationale Wasserstrategie der
Bundesregierung vorsieht. Entsiegelung von Flächen ist dort ebenfalls als
vorrangiges Ziel definiert. Und Nürnberg? Nachverdichtung gigantischen
Ausmaßes in St. Peter und am ehemaligen Coca-Cola-Gelände am Wöhrder
See. Schaffung von neuen Grünflächen? Vernachlässigbar.
Starkregen erzeugt in kurzer Zeit große Wassermassen, die wegen der mit
dem ICE-Werk verbundenen Bodenverdichtungen nicht einfach und langsam im
Erdreich versickern könnten. Die riesigen Bearbeitungshallen, Parkplätze,
Gleisanlagen, Verkehrsflächen für innerbetriebliche Transporte und
Rettungswege machten es unmöglich, dass das Regenwasser dorthin gelangt,
wo es hingehört, nämlich ins Grundwasser. Stattdessen fließt es ab. In zu
großer Geschwindigkeit und nicht gesteuert. Und kann kritische Infrastruktur,
wie das Klärwerk in Feucht bedrohen, das nur wenige hindert Meter entfernt
wäre. Kann aber sein, dass das in Nürnberg achselzuckend zur Kenntnis
genommen wird.
Wirtschaftliche Interessen der Deutschen Bahn würden dazu führen, dass
zehntausende Bewohner Nürnbergs und der Umgebung unter zunehmender
Erhitzung in der Stadt zu leiden hätten. Dazu dauerhafte Trockenheit, nicht nur
in heißen Sommern.
Durch das ICE-Werk würden weder die bestehenden, großen Probleme der
Bahn gelöst noch nennenswert neue Verbindungen geschaffen. Der Nutzen für
die Bevölkerung also gering, aber möglicherweise wichtig für die Profilierung
ein paar Weniger, die das Projekt in die Metropolregion „geholt“ haben?!
Wichtig ist, dass der Reichswald bleibt

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