Printversion: “Der mächtige Sankt Florian- ICE-Werk: diese Debatte folgt ein Muster.”

Online-Version: Nachbarwald oder Mobilitätswende retten? Fragwürdiger Widerstand beim ICE Werk: Großprojekte dienen auch dem Allgemeinwohl https://www.nn.de/nuernberg/fragwurdiger-widerstand-beim-ice-werk-grossprojekte-dienen-auch-dem-allgemeinwohl-1.13061911

Sehr geehrter Herr Husarek,

nachdem ich Ihren Kommentar zur aktuellen Berichterstattung bezüglich des ICE-Werks gelesen habe stellt sich mir die Frage:

Ja, wo isser denn, der Florian???

Als unmittelbar betroffener potentiell zukünftiger Anwohner eines ICE-Werks auf der Muna stehen mir und vielen anderen Betroffenen bei Ihren Äußerungen die Haare zu Berge und langsam kocht einem die Wut so richtig hoch. Da wirft uns ein Nürnberger Chef-Redakteur wegen der zahlreichen und begründeten Proteste von Feuchtern und Wendelsteinern/Röthenbachern vor, WIR würden der Verkehrswende zum Wohl aller im Wege stehen, weil WIR das St. Florians-Prinzip anwenden und dieses tolle Großprojekt nicht vor unserer Haustür haben wollen. Verzeihung, Herr Husarek, WIR kämpfen hier für das Wohl aller und zwar nicht nur für unser eigenes, sondern auch für das der Nürnberger Bürger, die, wie Ihr Kommentar zeigt, immer noch nicht begriffen haben, dass sie auf Grund der etwas ungrünen jahrzehntelangen Stadtplanung in Nürnberg in absehbarer Zeit ungekühlt durch an allen Ecken abgerodeten Bann-/Reichswald auf dem Grillteller des Klimawandels sitzen werden. Und besser wird es nicht, braucht man sich nur die Bauplakate zum Neubaugebiet Regensburger Viertel u.a. anschauen. Beton, so weit das Auge reicht. Ja, Sie haben Recht, der Klimawandel rückt voran und es werden “Dürre und Feuer” drohen, weil die Grüne Lunge Nürnbergs uns nicht mehr beatmen wird, wenn wir so weiter machen. Deswegen, lieber Hänsel, klare Antwort auf Ihre Gretchenfrage was gerettet werde soll, Mobilitätswende oder Bannwald: Natürlich der Bannwald! Der kann nirgends anders aufgeforstet oder neu errichtet werden, Ihr ICE-Baby sehr wohl! Und bitte da, wo es hingehört: auf bereits versiegelte Industriefläche.
Sie aber poltern einfach wie die DB über geltende Gesetze in Bayern hinweg und unterstützen das verlogene Verhalten der DB, die sich oft genung durch den Verkauf eigener Werksflächen in der Stadt eine goldene Nase verdient hat und nun ihre gierigen Finger nach dem vermeintlich günstigen Bannwald ausstreckt. Blöd nur, dass ihnen die Regierung nicht für Jägersee-Forst und Harrlach grünes Licht (haha) gewährt hat und die Muna nun doch nicht so günstig zu haben ist, wie der andere Wald. Auch wenn die DB vor hat, sie in Teilen zu entmunitionieren, wird das enorme Kosten verursachen aber trotzdem ungenügend sein für den Schutz der Anwohner. Sie gehen sogar so weit, zu unterstellen, uns ginge es hier nur um die Optik in der Nachbarschaft. “Es mag vor Ort angenehmer sein, ohne ein benachbartes ICE-Werk zu leben.” ANGENEHMER???? Werter Herr Husarek, wir haben ANGST!!! Sie lassen in Ihrem Kommentar leider völlig den auf der Muna befindlichen Giftgas-Sarkophag unter den Tisch fallen! Dieser ruht dort, 2006 als nicht räumbar und daher Millionen schwer versiegelt, im Wald. Verzeihen Sie, wenn wir einem vor Fehlentscheidungen, Misswirtschaft und Profitgier strotzenden Großkonzern, der es noch nicht einmal schafft, Züge pünktlich fahren zu lassen, nicht vertrauen, wenn dieser vor unserer Haustür an einem Giftgasbunker rumbuddeln und seine Gleise dicht daran vorbeiführen will. Da haben Sie Recht, DAS möchte man wirklich nicht in seiner Nachbarschaft, nur ca 1000m Luftlinie entfernt, haben. Das geht allerdings ein klein wenig über ärgerliche verbaute Optik hinaus. Darf ich nebenbei fragen, wo Sie geruhen zu wohnen? Damit komme ich gerne auf das von Ihnen uns vorgeworfene St. Florians-Prinzip zurück. Wunderbar, wenn bei diesem und anderen Themen immer Nichtbetroffene den Betroffenen dieses S-F-P vorwerfen. Besser noch, wenn man ehemals Betroffener ist und einfach Glück hatte, in MP Söders Wahlkreis zu wohnen, welcher dann nach erstem Jubel über ein ICE-Werk in Nürnberg um seinen Wählerstimmkreis fürchtete und dem einst heiß begehrten Werk einen Riegel in seinem Wahlkreis vorschob. Und noch einmal Wunder über Wunder, wir haben wieder Wahljahr und die Nürnberger Politik ist weiterhin unendlich froh, den Florian nach Feucht und Wendelstein geschickt zu haben und gibt sich ganz bedeckt, damit bloß keiner mehr auf die Idee kommt, den Schwarzen Peter zurück zu nehmen. Schon gar nicht in den Hafen. Wir seitens der BIs und der Bürger von Feucht und Wendelstein haben nie gesagt: “Geh, stell das Ding jemand anders in der Wald!” Wir fordern eine wirklich grüne und ökologische Lösung auf Industriegelände, wo so ein Werk auch hingehört. Ja, zur Not auch wo anders in Deutschland. Vielleicht täte die DB ja in einer weniger gut mit Arbeitsplätzen gesegneten Region, da wo es auch noch ausreichend leer stehenden Wohnraum (z.B. durch Landflucht frei geworden) für 450 Arbeitnehmer mit Familien gibt, ein gutes (ICE-)Werk, um eine Region wieder neu zu beleben und Perspektiven zu schaffen…
Ansonsten mögen bitte alle, die nicht von einem Hitzekollaps vor der eigenen Haustür durch massive Rodung geschützter Natur, einer zusätzlichen Zunahme an Verkehrsbelastung und Gefahr für Leben und Gesundheit durch halb geräumte Giftgas-Munitionsreste persönlich betroffen sind, aufhören mit dem Finger auf Wendelstein und Feucht zu zeigen. Dann bitte einfach den Mund und die Tastatur still halten, informieren, nachdenken!!! Sonst schaut euch der Florian im Spiegel an.
Werter Herr Husarek, wenn Sie dennoch einen Pranger für den Heiligen St. Florian aufstellen wollen, dann bitte da, wo er auch sitzt, um den kurzen Dienstweg einzuhalten: In Nürnberg, am besten direkt im Rathaus.
Danke!

Hiermit bitte ich im Zuge seriösen Journalismus, der Meinungsfreiheit zulässt, um die Veröffentlichung meines Leserbriefes. Anbei für Sie noch ein St. Florians Plakat der CSU aus Fischbach zur letzten Bundestagswahl. Macht sich auch vielleicht in der Redaktion gut.
Mit freundlichen Grüßen

Sabine Kronmeister

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