Analyse der 33 Bewertungs-Kriterien der Deutschen Bahn,
für ein ICE-Instandhaltungswerks
Sie sprechen mehrheitlich gegen die Standorte MUNA und MUNA Süd/Jägersee

1. Flächenanteil von Vorranggebieten an der Gesamtfläche (Wertungsfaktor hoch)

  • Vorranggebiete können für unterschiedliche Nutzungen festgelegt werden. Dazu gehören u.a. Vorranggebiete für Natur und Landschaft.
  • Beide Gelände sind als Natura 2000 Gebiet und Bannwald geschützt. Somit ist der Anteil von Vorranggebieten bei 100 % anzusetzen.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

2. Entfernung von lärmempfindlichen Gebieten (Wertungsfaktor hoch)

  • Äußerst geringe Distanz zur Wohnbesiedelung, teilweise nur 150 Meter.
  • Die A73, A6, A9 und die ICE Strecke Nürnberg-München sind bereits heute deutlich zu hören.
  • Wenn der natürliche Lärmschutz Wald fehlt, schallt der Lärm ungehindert in die angrenzenden Ortsteile von Feucht, Röthenbach St. W. und Moorenbrunn.
  • Lärmbelastung der Wohnbevölkerung durch das Werk in Betriebs- und Testsituationen in einer Größe von bis zu 140 dB(A), insbesondere während der Nacht.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

3. Flächenanteil von Altlastenverdachtsfläche an der Gesamtfläche (Wertungsfaktor hoch)

  • Bis heute werden den Anwohnern Informationen über die Art und Konzentration der Kampfmittel auf dem ehemaligem MUNA-Gelände verweigert. Als hoch belastet wird das Gebiet der MUNA angesehen. Doch auch das Gebiet südlich davon, Richtung Jägersee, muss bis heute, z.B. beim Einschlag von Rückegassen in den Wald, durch Sondengeher untersucht und von Kampfmitteln geräumt werden.
  • Niemand kann bis heute belastbare Daten oder Aussagen vorlegen, welche Auswirkungen Erderschütterungen von Tonnen schweren ICE-Zügen auf den Giftgas-Sarkophag hätten, selbst wenn sie das Gelände MUNA Süd/Jägersee befahren würden. Genauso ist eine für die Bevölkerung im Umland sichere Entmunitionierung sehr fraglich. Alternativ: Warum hat man 2006 die sichere Räumung als zu riskant empfunden, davon Abstand genommen und stattdessen das betroffene Areal mit einem Millionen schweren Sarkophag abgedichtet?
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

4. Flächenanteil Natura 2000-Gebiet (FFH-/SPA-Gebiet) an der Gesamtfläche (Wertungsfaktor hoch)

  • 100 % der betroffenen Fläche ist Natura 2000 Gebiet, gemäß der Vogelschutz-Richtlinie (Richtlinie
    2009/147/EG) und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG).
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

5. Flächenanteil Bannwald an der Gesamtfläche (Wertungsfaktor hoch)

  • 100% der Fläche ist als Bannwald/„Südlicher Reichswald“ ausgewiesen (Verordnung über die Erklärung der Waldgebiete vom 14.04.2004).
  • Nur in ganz besonderen Ausnahmefällen darf eine Rodung erfolgen, jedoch müssen dann direkt angrenzende Ausgleichsfläche geschaffen werden. Zusammenhängende Ausgleichsflächen von ca. 144 ha sind vor Ort nicht zu finden, zumal das Gebiet MUNA bereits eine Ausgleichsfläche für die Rodungen zum Ausbau der A 73 ist.
  • Klimaschützer Nummer 1 sind und bleiben unsere Wälder, sie binden CO2, kühlen das regionale Klima ab und können somit den Prozess der Erderwärmung abfedern. Auch speichern sie Wasser zur Trinkwasserversorgung in der Region und fungieren als Frischluftfilter für den Großraum Nürnberg und das Umland. Der Klima- Report Bayern 2021 prognostiziert einen möglichen Anstieg der Temperaturen in Bayern bis zum Jahr 2100 um bis zu 4,8 Grad Celsius gegenüber dem Zeitraum 1971 bis 2000.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

6. Resultierende Verbote aus Artenschutz (Wertungsfaktor hoch)

  • In dem Gebiet leben nachweislich 87 geschützte Tierarten und 20 verschieden Baumarten. Dies kann vom BUND Naturschutz und dem Landesverband für Vogelschutz bestätigt werden. Eine gesetzlich vorgeschriebene Umsiedelung dieser bedrohten Arten wäre zeitintensiv, sehr kostspielig und fraglich bezüglich der Aussicht auf Erfolg.
  • Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.
    7. Erholungsfunktion oder Infrastruktur für Freizeitnutzung (Wertungsfaktor hoch)
  • Der Wald zwischen Röthenbach St. W. Und Feucht dient den Bürgern als Naherholungsgebiet. Selbst aus Nürnberg kommen täglich Spaziergänger und Fahrradfahrer die das Waldwegenetz nutzen oder Badegäste an den Jägersee. Des Weiteren ist dieses Gebiet vielen Radlern ein Weg zur Arbeit, zur S-Bahn und Schulkindern ein sicherer Schulweg abseits des morgendlichen Verkehrschaoses.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

8. Flächenanteil wassersensibler Bereiche an der Gesamtfläche (Wertungsfaktor mittel)

  • Das Gebiet enthält eine umfangreiche Gewässerstruktur mit vielen Teichen und Bächen. Diese sind Voraussetzung für Grundwasserbereitstellung, Grundwasserspeicherung, Grundwasserreinigung und Trinkwasserversorgung. Somit sind 100% der Fläche wassersensibel.
  • Bei einer Flächenversiegelung, sowohl durch das ICE-Werk und zusätzlich durch zu erwartende entstehende Gewerbebrücken zu Feucht und Nürnberg, stehen gewaltige Flächen nicht mehr zur Verfügung. Das Wasser fließt erheblich schneller ab und die Schwammwirkung des Bodens geht verloren. Als Folge würden die für Region Nürnberg, Feucht und Wendelstein entscheidenden Wasserschutzgebiete sukzessive austrocknen. Auch sind durch die Versiegelung des Bodens zukünftige Überschwemmungen zu befürchten.
  • Die Bahn hat einen Bedarf in einer Größenordnung von 350.000 Litern Wasser täglich für die Reinigung der 25 Züge sowie für die WC-Tanks. Dies belastet die Trinkwasserversorgung zusätzlich.
  • Nach dem Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums war die Gemarkung Wendelstein und Feucht in den Dürrejahren 2018 und 2019 extrem betroffen, der örtliche Grundwasserspiegel sank um min. 150 cm. Angesichts des Klimawandels wird sich die Lage weiter verschärfen.
  • Kritisch sind auch Bohrpfähle oder Werkshallen mit Unterflur wegen möglicher Durchtrennung wasserundurchlässiger Bodenschichten und damit auftretendes Absacken des Grundwasserspiegels.
  • Ebenfalls kritisch zu sehen ist die zu erwartenden Massenbewegungen von Erdreich und der damit verbundene Eingriff in das Grundwasserreservoir insgesamt.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

9. Qualität der Anbindung an das Straßennetz (Logistik)

  • Die angrenzenden Autobahnen A73, A6 und A 9 sind schon jetzt stark befahren. Auch die B8 ist permanent überlastet, die Anwohner gestresst vom Dauerlärm, deren Gesundheit gefährdet durch Abgase.
  • Eine zusätzliche Verkehrsbelastung durch Materialtransporte und 450 Mitarbeiter würde zum vollständigen Kollaps führen.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

10. Anteil der Fläche im öffentlichen Eigentum im Verhältnis zur Gesamtfläche

  • 100% öffentliches Eigentum (Gemeindeflächen, BIMA. By. Staatsforsten)
    Bewertung neutral

11. Flächenanteil empfindlicher Nutzung an Gesamtfläche

  • Die betroffene Fläche ist nicht nur ein ökologisch wertvoller Mischwald. Es ist auf dem Gelände der MUNA ein seit 70 Jahren unberührter deutscher Naturwald. Ohne Bewirtschaftung und ohne menschliche Störung konnte sich hier ein Idyll entwickeln, das seinesgleichen sucht. Bilder aus diesem Biotop strafen Leute, die hier von „wertlosem Steckerlaswald“ sprechen, Lügen.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

12.Flächenanteil von Gebietsschutz in Bezug auf Boden-/Flächen-/Kulturdenkmale (Archäologie) an der Gesamtfläche

  • Es sind keine Denkmale auf der Fläche bekannt.
    Bewertung neutral

13. Resultierende Verbote aus Biotopschutz

  • Sowohl im künftigen Bahngelände als auch daneben liegen zahlreiche ausgewiesene Biotope
    (u.a. Krugsweiher)
  • Auch neben der Bahnfläche liegende, ausgewiesene Biotope würden in Mitleidenschaft gezogen, taghell beleuchtet, mit starker Lärmbelastung. Ein Austausch der Populationen gefährdeter Arten untereinander wäre nicht mehr möglich.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

14. Resultierende Verbote aus Baumschutzsatzung

  • Das Gebiet ist Bannwald, eine zusätzliche Baumschutzsatzung ist nicht erforderlich.
  • Darüber hinaus ist die MUNA ein ökologischer unberührter Schatz, von dem aus umliegende Gebiete durch Neuansiedlung bedrohter Arten profitieren können.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

15. Bedeutung der Fläche für das lokale Klima

  • Tage mit trockener und extrem warmer Luft im Stadtbereich nehmen in der Metropolregion Nürnberg zu.
  • Als Ausgleich braucht es eine große zusammenhängende Waldfläche. Dabei kann der Bannwald seine Schutzfunktion als Frischluftschneise nur als zusammenhängende Fläche erfüllen!
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

16. Flächenanteil Gebietsschutz Landschaftsschutzgebiet an der Gesamtfläche

  • Das Gebiet MUNA Süd/Jägersee ist Landschaftsschutzgebiet (Landschaftsschutzgebiete dienen in erster Linie dem Schutz des Naturhaushalts und seiner Funktionsfähigkeit. Sie werden durch die Landkreise bzw. die kreisfreien Städte ausgewiesen. Siehe stmuv.bayern.de).
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

17. Flächenanteil anderer Schutzgebiete an der Gesamtfläche

  • Die Fläche beider Areale ist eine Mischung aus Natura 2000 Gebiet, Vogelschutzgebiet, Bannwald und Landschaftsschutzgebiet.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

18. Flächenanteil von Vorbehaltsgebieten an der Gesamtfläche

  • Die Fläche ist zwar bis heute kein ausgewiesenes Vorbehaltsgebiet. Jedoch wird derzeit noch ein Antrag auf eine Ausweisung als Naturschutzgebiet für manche Teile geprüft.
  • Da bereits Begehungen des Areals MUNA durch den Bund Naturschutz erfolgten und dort zahlreiche bedrohte Tierarten, z.T. Arten der roten Liste, nachgewiesen werden konnte, schlussfolgern wir, dass hier ein besonders schützenswertes, artenreiches Biotop besteht, das leicht einen hohen Schutzstatus erlangen könnte.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

19. Fläche der Neuversiegelung

  • Neben der Versiegelung durch das ICE Werk ist die Erschließung von neuen Zufahrtsstraßen, die zum zukünftige ICE Gelände führen, erforderlich. Außerdem müssten mehrere Wege für Land- und Forstwirtschaft sowie Wander- und Radwege neu angelegt werden (inklusive Über- bzw. Untertunnelung).
  • Dies wird zu weiteren umfangreichen Baumaßnahmen und Versiegelungen führen.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

20. Bodenfruchtbarkeit (Wertungsfaktor gering)

  • Es handelt sich um gesunden Waldboden, der eine reichhaltige Bodenfauna beherbergt.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

21. Bedeutung der Fläche für das Landschaftsbild (Wertungsfaktor mittel)

  • Die gesamte Fläche befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Gewerbepark Nürnberg-Feucht-Wendelstein. Hier würde eine Siedlungsbrücke entstehen, die auch in wieder aufgeforsteten Teilbereichen die Ansiedlung bedrohter Arten oder den Erhalt einer Klimaschutzfunktion eines zusammen hängenden Waldgebietes mehr als fraglich macht.
  • Das Landschaftsbild würde sich komplett umdrehen. Eine Waldlandschaft, ein Naherholungsgebiet mit Badesee wird zu einem Industriegebiet degradiert.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

22. Lage in Bezug auf B-Plan-Gebiete/städtebauliche Entwicklungen

  • Spatenstiche für ein ICE-Werk würden neue Begehrlichkeiten wecken, es könnte zu einer Siedlungsbrücke zwischen Nürnberg und den Gemeinden Feucht/Wendelstein kommen. Das würde den kompletten Verlust des Bannwaldes im Autobahndreieck bedeuten.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

23. Möglichkeit einer Drehfahrt (Gleisschleifen)

  • Die Möglichkeit besteht und ist in den Plänen der Bahn bereits vorgesehen.
    Dieses Kriterium ist neutral zu beurteilen.

24. Zweiseitige Befahrbarkeit und Gleisanbindung aller auf dem Werksgelände befindlichen Instandhaltungsobjekte

  • Kann von uns nicht beurteilt werden, die Skizzen der Bahn legen den Schluss nahe, dass dies möglich ist.
    Dieses Kriterium ist neutral zu beurteilen.

25. Qualität der Anbindung an ÖPNV (Personal)

  • Von Feucht aus wäre die Anbindung an die Regionalbahn gegeben. Von Wendelstein aus gibt es nur schulabhängigen ÖPNV.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

26. Historische Nutzung (Wertungsfaktor gering)

  • Keine historische Nutzung.
    Dieses Kriterium ist neutral zu beurteilen.

27. Besondere Bodenfunktionen

  • Gelände dient als Wassereinzugsgebiet, Grundwasserversickerung und damit auch dem Hochwasserschutz der angrenzenden Ortschaften.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

28. Nähe zu medientechnisch erschlossenem Gebiet

  • Internetverbindungen werden von einem kleinen Regionalversorger angeboten. Eine weitere Belastung durch die Anforderungen eines großen Werks würde die gegebene Infrastruktur überfordern.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

29. Bauzeitliche Verkehrsführung

  • Die Verkehrsanbindung des Geländes würde auch über die „Zollhausstraße“ ST2225 erfolgen. Diese ist bereist heute regelmäßig im morgendlichen Pendlerverkehr zwischen dem Umland und Nürnberg überlastet. Zum Kollaps kommt es regelmäßig, bei Störungen auf der A9/A73
  • Für Spezialtransporte, die bei so großen Baustellen üblich sind, reicht die Straße (Belastungsfähigkeit etc.) aller Wahrscheinlichkeit nach nicht aus.
  • Es gibt derzeit keine sinnvollen Umleitungsmöglichkeiten.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

30. Ziele der Raumordnung

  • Eine Raumordnung die eine Bebauung erlaubt liegt nicht vor.
    Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

31. Geländegefälle von max. 12‰ in der Längs- und Querausrichtung
Dieses Kriterium ist neutral zu beurteilen.


32. AnteilHochwassergefahrenflächenanderGesamtfläche

    • Starkregen ist künftig häufiger zu erwarten. Während Wald als natürlicher Puffer dient, fließt auf einer verdichteten oder abgeholzten Fläche das Wasser rasch ab.
      Das spricht eindeutig gegen diese Standorte.

33. Entfernung vom Hauptbahnhof Nürnberg

    • ca. 15 km
      Das spricht für diesen Standort. (Allerdings auch für anderen ehemals im Raumordnungsverfahren befindlichen Standorte.)

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